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.Das Reh graste auf der anderen Seite des Baches.Vanye starrte in das Tal der Steine, die eindeutig qujalischen Ursprungs waren.Es war Morgaines Tal: das wußte er.Der Anblick löste etwas in ihm aus, ein so starkes Gefühl des deja-vu, daß er im ersten Moment wie gelähmt war.Er fuhr sich mit dem Handrücken über die Augen, rieb die Dinge wieder in die richtige Brennschärfe.Die Sonne sank schnell der Dunkelheit entgegen, während hinter seinem Rücken eine neue Wolkenbank von der Höhe der Berge herabrollte.Er blickte zwischen den Säulen auf der Spitze des Kegelgipfels empor, der Morgaines Grab genannt wurde, und die untergehende Sonne schimmerte dort wie eine Pfütze aus Gold, in die eben ein Stein geworfen wurde.In diesem Schimmer tauchte der Kopf eines Pferdes auf, dann die Vorderbeine und ein Reiter und das ganze Tier; ein weißer Reiter auf einem grauen Pferd, die ganze Szene eine Silhouette vor der bernsteinfarben schimmernden Sonne, so daß er blinzeln und sich die Augen reiben mußte.Der Reiter kam den schneebedeckten Hang herab in die Schatten jenseits seines Weges – eine greifbare Erscheinung.Ein Pelz aus weißem anomen war der Mantel, und der Atem des Fremden wie des grauen Pferdes stand weißwolkig in der frostkalten Luft.Eigentlich mußte er seiner Stute jetzt die Sporen geben, doch er war seltsam gelähmt, als wäre er aus einem Traum erwacht und sofort in den nächsten geraten.Er blickte in das gebräunte Frauengesicht unter der Pelzkapuze und fand Haar und Brauen wie die Wintersonne im Zenit, und Augen, die so grau waren wie die Wolken im Osten.»Guten Tag«, grüßte sie mit einem seltsamen, kaum spürbaren Akzent, und er entdeckte am Sattel des Grauen unter ihrem Knie eine große Klinge mit einem goldenen Griff in der Gestalt eines Drachen und stellte fest, daß das Zaumzeug korische Arbeit war.Da wußte er Bescheid, denn solche Details waren im Buch von Yla enthalten und in den Liedern, die über sie gesungen wurden.»Mein Weg führt mich nach Norden«, sagte sie leise und mit leichtem Akzent.»Euch scheint es in eine andere Richtung zu ziehen.Aber die Sonne geht bald unter.Ich reite ein Weilchen mit Euch.«»Ich kenne dich«, sagte er.Die hellen Brauen wurden gehoben.»Wollt Ihr mich angreifen?«»Nein«, sagte er, und ein Gefühl der Eiseskälte wanderte vom Herzen in seine Magengrube, bis er nicht mehr genau wußte, welche Worte er über die Lippen brachte oder warum er ihr überhaupt noch antwortete.»Wie heißt Ihr?«»Nhi Vanye, ep Morija.«»Vanye – das ist kein Morij-Name.«Der alte Stolz erwachte in ihm.Der Name war Korish und entstammte dem Klan seiner Mutter, eine Erinnerung an seine Illegitimität.Aber es war sowieso Wahnsinn, mit ihr zu sprechen oder sich gar mit ihr zu streiten.Was er auf der Bergkuppe gesehen hatte, wollte sich in seiner Erinnerung nicht deutlich wiederholen, und er begann sich einzureden, daß der Hunger ihn geschwächt und seine Sinne verwirrt hatte, daß er hier nur einer fremden Frau aus hohem Klan begegnete und daß seine Schwäche ihn vergessen ließ, wie sie zu ihm gekommen war.Doch wie auch immer – sie war zumindest zur Hälfte qujal, das bezeugten die Augen und die Haarfarbe; sie war qujal und seelenlos und an diesem verfluchten Ort aus toten Bäumen und Schnee durchaus zu Hause.»Ich kenne eine Stelle«, sagte sie, »wo wir vor dem Wind geschützt sind.Kommt.«Sie wandte den Kopf des Grauen nach Süden, in die Richtung, in der sein Ziel lag, so daß er nicht wußte, wohin er sich sonst wenden sollte.Wie im Traum folgte er ihr.Die Dämmerung verdichtete sich, beschleunigt durch den Wolkenschleier, der sich über den Himmel streckte.Die gespenstisch helle Gestalt Morgaines wehte vor ihm dahin, während die Hufe des Grauen deutlich hörbar in den verharschten Schnee einbrachen und Spuren hinterließen.Sie umrundeten den Fuß des Hügels und scheuchten dort eine kleine Herde Rehwild auf, die am Bach howan äste.Es war das erste Wild, das er seit Tagen zu Gesicht bekam.Trotz der Umstände griff er nach seinem Bogen.Doch ehe er ihn spannen konnte, blitzte in Morgaines ausgestreckter Hand ein Licht auf, und ein Rehbock sank tot zu Boden.Die anderen flohen.Morgaine deutete auf einen Berghang zur Rechten.»Dort liegt eine geschützte Höhle.Ich kenne sie.Nehmt alles Fleisch, das wir brauchen; der Rest gehört den kleineren Jägern.«Sie ritt den Hang hinauf.Er griff nach seinem Jagdmesser und machte Anstalten, ihren Auftrag auszuführen, so wenig ihm das gefiel.Das Tier wies keine Wunden auf; nur aus den Nüstern war ein wenig Blut geströmt und befleckte den Schnee, und das Rot im Schnee brachte plötzlich den Traum zurück und ließ ihn erschaudern.Er hatte keinen Appetit auf ein Wesen, das so getötet worden war; der gehörnte Kopf mit den weit aufgerissenen Augen schien ebenso verhext zu sein wie er – auch er ein unwilliger Träumer.Er warf einen Blick über die Schulter.Morgaine stand am Hang, die Zügel des Grauen haltend, ihn beobachtend.Die ersten Schneeflocken trieben im Wind dahin.Er machte sich mit dem Messer ans Werk und mied den Blick der toten Augen.2Ein Feuer flackerte in der Öffnung der kurzen Höhle und erzeugte eine Wand der Wärme zwischen ihnen und dem fallenden Schnee.Er wollte das Fleisch nicht, doch schwächte ihn seit Tagen der Hunger, bis die Gelenke schmerzten und die geringste Anstrengung seine Muskeln zum Zittern brachte [ Pobierz całość w formacie PDF ]