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.Südlich der A4 befindet sich der Königsforst.« Er zeigte auf eine riesige grüne Fläche, die einen deutlichen Kontrast zu den besiedelten Gegenden nördlich der Autobahnachse darstellte.»Kapiert«, sagte ich, obwohl das nicht ganz der Wahrheit entsprach.»Und wo ist Diepeschrath nun gefunden worden?«Vogt öffnete wieder eine Schublade, holte einen dicken schwarzen Filzstift heraus und kringelte eine Stelle auf der Karte ein.»Hier.«Ich sah mir die Markierung an.Die Stelle lag südlich der Autobahn an einer Hauptstraße, die auf der Karte einen Zentimeter weiter zur Autobahnauffahrt wurde.Ich las auf dem Grün, das das Waldgebiet markierte, eine Flurbezeichnung.»Da steht ›Ohlenbruch‹«, sagte ich.»Ja, so heißt das da.Aber insgesamt gesehen ist es der Rand des Königsforstes.Dieser kleine Weg, der von der Hauptstraße in den Wald mündet, heißt ›Rennweg‹.Dort lag die Leiche.«»Und wo haben sich Becker und Diepeschrath getroffen, als Becker mit dem Fahrrad unterwegs war?«»An der Hauptstraße.Genau da, wo der Rennweg in den Wald abzweigt.Sie haben sich da weiter gestritten.Doch Becker sagt, er habe sich auf nichts eingelassen und sei weiter nach Hause geradelt.Er wohnt am Ende dieser Hauptstraße hier; im Kölner Stadtteil Rath-Heumar.«»Gibt es Zeugen, die gesehen haben, wie er heimradelte?«»Nein.«»Und wo wir gerade bei Verkehrsmitteln sind: Diepeschrath hat doch sicher ein Auto benutzt, als er Becker folgte.«»Exakt.Das Auto stand an der Straße.Wo der Rennweg in den Wald abgeht, gibt es einen Seitenstreifen.Dort wurde das Fahrzeug gefunden.«»Das heißt, für die Staatsanwaltschaft sieht die Sache so aus: Becker, einschlägig aktenkundig wegen Kampfes gegen die Staatsgewalt, trifft den Bauunternehmer Diepeschrath in dessen Haus.Sie streiten sich.Becker, will man ihm darin Glauben schenken, macht sich davon.Diepeschrath kommt hinter ihm her, und am Rennweg, vielleicht aber auch im nahen Wald, tötet Becker Diepeschrath.Um Spuren zu verwischen, zündet er die Leiche an.«»Sie haben es erfaßt.«»Gut«, sagte ich.»Wo kann ich diesen Volker Becker finden?«»In seinem Laden.Der befindet sich in Refrath.Ich markiere Ihnen alles auf der Karte.«Quietschend zog Vogt einen Kreis in das rötliche Häusermeer, das sich nördlich der A4 erstreckte.»Da ist der Laden.« Etwas weiter rechts, zwischen Refrath und Bensberg, kam ein weiterer Kringel hin.»Und da ist das Haus von Diepeschrath.«»Hatte der Tote Familie?« fragte ich.»Eine Frau, Angelika Diepeschrath, die seit einiger Zeit von ihm getrennt lebt, und einen fünfundzwanzigjährigen Sohn, Gerd.Er lebt bei der Mutter.In Moitzfeld - das ist hier.«Er schwang den Stift, und die Karte war wieder um einen Kringel reicher, diesmal etwas weiter ab vom Schuß; etwas nordöstlich.»Ach ja, und es gibt noch einen Bruder.Rudolf Diepeschrath.Er wohnt in Overath, das ist noch weiter östlich von Bensberg.«»Danke«, sagte ich.»Aber ich suche mir die anderen Adressen lieber nach und nach selbst zusammen.Noch eine Frage: Hat die Polizei die Alibis von Diepeschraths Verwandtschaft geprüft?«»Ja, Sie finden alles in den Berichten.Zur mutmaßlichen Tatzeit war der Sohn mit Diepeschraths Bruder und einem Bekannten unterwegs.Die Mutter war laut Aussage in Köln im Kino.«Vogt packte den Stift weg, faltete die Karte zusammen und reichte sie mir.»Bitte schön.Dann erwarte ich Ihren Bericht.«»Wenn Sie Ihre Vorauszahlung geleistet haben.«Vogt nickte, stand auf und ging wieder zu Fräulein Schmidt.Dann kam er mit sieben Hundertmarkscheinen zurück und hielt mir ein kleines Formular hin.»Wenn Sie hier bitte quittieren würden.«Vogt packte die signierte Quittung weg, während ich die Fotos des Toten wieder in den Umschlag und diesen in den Ordner verfrachtete.»Weiß man eigentlich, woher das Benzin stammt, mit dem die Leiche übergossen wurde?« fragte ich.»Wohl aus Diepeschraths Auto«, sagte Vogt.»Wie wollen Sie jetzt Vorgehen?«»Als erstes werde ich mit Becker reden und dann noch mal die Zeugen abklopfen.«»Sicher.Setzen Sie da an«, sagte Vogt.Er zog seine Augenbrauen in die Höhe, so daß die Zacken noch spitzer erschienen.»Aber um eines möchte ich bitten: Gehen Sie unbedingt diskret vor.Das letzte, was wir gebrauchen können, ist, daß die Presse Wind von Ihren Ermittlungen bekommt.Und beeilen Sie sich.Ich bin sicher, daß die Polizei im Moment Himmel und Hölle in Bewegung setzt, um mehr gegen Becker in die Hand zu bekommen.Ich kenne den zuständigen Staatsanwalt.Bei dessen politischer Gesinnung würde er alles tun, um einen ehemaligen Brokdorf-Aktivisten ans Messer zu liefern.«Ich setzte mich in Mannis Wagen, nahm den Ordner und blätterte mich durch die Aussagen der Zeugen.Die Polizei hatte gute Vorarbeit geleistet, und das in sehr kurzer Zeit.Anscheinend machte die Staatsanwaltschaft wirklich Dampf.Es gab auch ein Foto des Ermordeten - in lebendem Zustand, wohl aus seinem Personalausweis.Das Bild war dementsprechend nichtssagend.Immerhin sah ich, daß Diepeschrath ein fettes, rundes Gesicht gehabt hatte und ein eher grober Typ gewesen war.Die Haare waren auf dem Schwarzweißfoto hell, in natura dürften sie blond gewesen sein.Diepeschrath trug keine Brille und sah ziemlich grimmig drein.Nachdem ich mir das Bild eine Weile angesehen hatte, machte ich mich an die Vernehmungsprotokolle von Ehefrau und Sohn.Wie Vogt erklärt hatte, war Angelika Diepeschrath am fraglichen Abend in Köln im Kino gewesen.Die Polizei hatte das überprüft, so weit es möglich war.Diepeschraths Frau hatte eine entsprechende Kinokarte gehabt.In der Vernehmung gab sie an, »Die Hochzeit meines besten Freundes« in einem Programmkino gesehen zu haben.Ich fragte mich, wo die Zeiten hin waren, als man sich in Programmkinos noch weigerte, Hollywoodreißer zu zeigen.Nach eigener Aussage war sie zwischen zweiundzwanzig und dreiundzwanzig Uhr nach Hause gekommen.Damit war sie allerdings nicht entlastet - zumal sie keine Zeugen angeben konnte, die sie in Köln gesehen hatten.Schließlich konsultierte ich noch einmal den Stadtplan und prägte mir ein, wie ich zu Beckers Laden kam.Ich hatte vergessen, Vogt zu fragen, was für ein Laden das war.Außerdem mußte ich mich nach einer Unterkunft umsehen.Wie es aussah, würde ich ein paar Tage in dieser Stadt bleiben.Ich hatte vorgesorgt und eine Reisetasche mit dem Nötigsten dabei.Ich startete den Golf und fuhr die Straße in Richtung Refrath hinunter.Es war derselbe Weg, den ich gekommen war, allerdings bog ich jetzt rechts in den Stadtteil ein, der zu Füßen Bensbergs lag.Die Straße kreuzte die Straßenbahnschienen; das Signal stand auf Rot, und der Verkehr staute sich.Ich hatte also ein bißchen Zeit, um mich umzusehen.Wohnhäuser, teilweise regelrechte kleine Mietsilos, daneben eine Tankstelle, ein Pizzaservice, vor dem aufgereiht drei kleine Autos mit offener Heckklappe warteten, dazwischen ältere Häuser, manche mit Gartenzäunen.Vielleicht war es hier einmal idyllisch gewesen; jetzt brummte der Schwerverkehr vorbei.Wie sich die Leute in den Häusern wohl fühlten? Ob sie Lust verspürten, einen Bauunternehmer umzubringen? Vor allem, wenn er Straßen baute?Als es weiterging, tauchte auf der rechten Seite ein langer Block mit Geschäften auf.Links gab es am Rande eines Parkplatzes eine gigantische Imbißbude - ein Vieleck aus Holz, das sich »Grillhütte« nannte.Davor ein paar Stehtische, an denen Leute in leicht gebückter Haltung irgend etwas in sich hineinschaufelten.Ich mußte der Straße weiter folgen.Nach dem Parkplatz mit der Grillhütte zeigte sich etwas grüner Rasen, dahinter zurückgesetzt ein niedriges altes Gebäude mit rundem, spitz bedachtem Turm, das wie der Rest einer kleinen Burg oder einer Hofanlage wirkte [ Pobierz całość w formacie PDF ]