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.«»Arbeitet er in unserer Redaktion?«»Nein, er kommt niemals ins Büro.Er verfaßt seine Kolumne zu Hause, spricht sie auf Band und schickt sie ein- oder zweimal die Woche per Boten her.Wir müssen sie abtippen.Sehr lästig.«»Weshalb kommt er nicht her? Hat er nichts übrig für Erbsengrün?«»Frag mich nicht.Das hat er mit der Chefetage so vereinbart.Er hat einen phantastischen Vertrag mit dem Flux.«»Wie ist er?«»Unnahbar.Eigenwillig.Ist nicht sehr leicht, mit ihm auszukommen.«»Wie nett.Ist er jung oder alt?«»Irgendwas dazwischen.Er lebt alleine – mit einer Katze – stellt dir das mal vor! Viele Leute glauben, daß die Katze die Kolumne schreibt, und vielleicht haben sie recht.«»Ist das, was er schreibt, gut?«»Er glaubt es.Und unsere Brötchengeber offenbar auch.« Arch rutschte auf dem Barhocker herum, während er seine nächsten Worte abwog.»Es gibt ein Gerücht, daß der Flux den Typen hoch versichert hat.«»Was ist an einem Kunstkritiker so wertvoll?«»Der da hat dieses gewisse Etwas, das die Zeitungen so lieben: Er ist kontrovers! Seine Kolumne bringt Hunderte Leserbriefe pro Woche.Nein, Tausende!«»Was für Briefe?«»Zornige.Zuckersüße.Hysterische.Die kunstbeflissenen Leser verabscheuen ihn; die anderen halten ihn für den Größten, und dann fangen sie untereinander zu streiten an.Er schafft es, die ganze Stadt ständig in Aufruhr zu versetzen.Weißt du, was unsere letzte Umfrage erbracht hat? Die Kulturseite hat eine größere Leserschaft als der Sportteil! Und du weißt so gut wie ich, daß das eine unnatürliche Situation ist.«»Ihr müßt eine Menge Kunst-Freaks in der Stadt haben«, meinte Qwilleran.»Man braucht sich nichts aus Kunst zu machen, um auf unsere Kunst-Kolumne zu stehen; man muß nur gerne Blut sehen.«»Aber worüber streiten sie sich denn?«»Das wirst du schon noch merken.«»Kontroversen im Sport und in der Politik kann ich verstehen, aber Kunst ist Kunst, oder?«»Das habe ich auch geglaubt«, sagte Arch.»Als ich die Feuilletonabteilung übernahm, hatte ich die naive Vorstellung, daß Kunst etwas Wertvolles sei – etwas für schöne Menschen mit schönen Gedanken.Mann, diese Idee habe ich mir aber schnell abgeschminkt! Die Kunst ist demokratisch geworden.In dieser Stadt ist Kunst der beliebteste Zeitvertreib seit der Erfindung von Canasta, und jeder kann mitspielen.Die Leute kaufen jetzt Gemälde statt Swimmingpools.«Qwilleran kaute die Eiswürfel aus seinem Tomatensaft und grübelte über die Geheimnisse des Ressorts nach, das der Daily Fluxion ihm da anbot.»Übrigens«, sagte er, »wie heißt der Kritiker?«»George Bonifield Mountclemens.«»Sag das noch mal, bitte.«»George Bonifield Mountclemens – der Dritte!«»Das ist ja ein dicker Hund! Verwendet er wirklich alle drei Namen?«»Alle drei Namen, alle sieben Silben, alle siebenundzwanzig Buchstaben – und die Ziffern! Zweimal die Woche versuchen wir, seinen Namen in Standard-Kolumnenbreite unterzubringen.Es ist unmöglich, außer senkrecht.Und er gestattet keine Abkürzungen, Bindestriche oder Verstümmelungen!«Qwilleran warf Arch einen scharfen Blick zu.»Du magst ihn nicht besonders, was?«Arch zuckte die Schultern.»Ich habe keine große Wahl.Tatsache ist, daß ich den Typen nie zu Gesicht kriege.Ich sehe nur die Künstler, die in die Redaktion kommen und ihm die Zähne einschlagen wollen.«»George Bonifield Mountclemens III.« Qwilleran schüttelte verwundert den Kopf.»Selbst sein Name versetzt einige unserer Leser in Wut«, sagte Arch.»Sie wollen wissen, für wen er sich eigentlich hält.«»Rede nur weiter.So langsam wird mir dieser Job sympathisch.Der Chef sagte, es wäre ein nettes, anständiges Ressort, und ich hatte schon Angst, ich würde mit einem Haufen Heiliger zusammenarbeiten.«»Laß dich nicht von ihm verschaukeln.Alle Künstler in dieser Stadt hassen einander, und alle Kunstliebhaber ergreifen Partei.Und dann werden sie alle grob.Es ist wie Football, nur gemeiner.Unflätige Beschimpfungen, Verleumdungen, Verrat und Betrug…« Arch rutschte von seinem Hocker.»Komm, holen wir uns ein Cornedbeef-Sandwich.«Das Blut einiger alter Schlachtrosse, das durch Qwillerans Adern floß, machte sich bemerkbar.Sein Schnurrbart lächelte fast.»Okay, ich nehme an«, sagte er.»Ich nehme den Job.«2Es war Qwillerans erster Arbeitstag beim Daily Fluxion.Er belegte einen der erbsengrünen Schreibtische in der Feuilletonredaktion und holte sich einen Vorrat an gelben Bleistiften.Auf dem erbsengrünen Telefon entdeckte er eine mit Schablone gemalte offizielle Aufforderung: Sei nett zu den Leuten! Er tippte probeweise ›Viele Morde werden nach Mitternacht begangen‹ auf der erbsengrünen Schreibmaschine.Dann rief er den Fuhrpark des Fluxion an, um einen Dienstwagen für die Fahrt nach Lost Lake Hills anzufordern.Der Weg in den eleganten Vorort fünfzehn Meilen außerhalb der Stadt führte Qwilleran durch selbstgefällige Vorstadtbezirke, vorbei an winterbraunen Farmen mit vereinzelten verschneiten Flecken.Er hatte viel Zeit, um über dieses Interview mit Cal Halapay nachzudenken, und er fragte sich, ob die QwilleranMethode wohl noch immer funktionierte.Früher war er berühmt gewesen für die brüderliche Art, mit der er seinen Interviewpartnern die Befangenheit nahm.Sie bestand aus zwei Teilen Wohlwollen, zwei Teilen beruflicher Neugier und einem Teil niedrigem Blutdruck, und sie hatte ihm das Vertrauen alter Damen, jugendlicher Delinquenten, hübscher Mädchen, College-Präsidenten und kleiner Gauner eingebracht [ Pobierz całość w formacie PDF ]