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.Sie wollte gerade an die Reling treten, als sie bemerkte, dass sie nicht allein war.Blacksoul lehnte am gedrechselten Holzgeländer, welches das Podest für das Steuerrad umspannte, und sah sie an.Ein kalter Schauer rann ihr den Rücken hinab.Aber diesmal nahm ihr nicht die Furcht den Atem, sondern das unglaubliche Bild, welches sich ihr bot.Blacksoul.Nur mit einer dunklen Kniebundhose bekleidet, seine starke, von den goldenen Strahlen der aufgehenden Sonne geküsste Brust und das blonde Haar, welches ihm wild und unbändig um den Kopf wehte.Die Gesichtshälfte mit der Narbe war unter der Haarflut verborgen.Josie war sich sicher – selbst ein Engel konnte nicht schöner sein als dieser Mann.Noch heftiger als gestern schlug ihr das Herz in der Brust – sie konnte den Blick einfach nicht von ihm abwenden.Unglaublich, wie verändert er ihr schien.Ohne das blutbespritzte Hemd und den verbitterten Zug um den schönen Mund schaffte sie es kaum, sich seine Gräueltat in Erinnerung zu rufen.Schließlich, als ihr bewusst wurde, dass sie ihn ungeniert anstarrte, nickte sie kurz und wandte sich verlegen ab.Sie trat an die Reling, versuchte ihren inneren Aufruhr zu unterdrücken und spähte ein letztes Mal über die Schulter.Blacksoul war nicht mehr zu sehen.Enttäuscht wandte sie den Blick zurück zum Horizont.Wo mochten sie nur sein? Die Inselstaaten der Karibik waren in der Ferne nicht mehr auszumachen, und, da sie auf den Sonnenaufgang zuhielten, ging ihre Reise nach Osten.Das war schlecht.Im Osten gab es außer den unendlichen Weiten des Atlantiks kein Ziel, welches ein schnelles Ende ihres Aufenthaltes hier an Bord bedeuten würde.Josie musste herausfinden, was das Ziel der Deathwhisper war, damit sie sich einen Plan zur Flucht zurechtlegen konnte.Inzwischen waren die meisten Seeleute aus ihren Hängematten getaumelt und fingen an, an Bord ihren täglichen Aufgaben nachzugehen.Ein kleiner Matrose mit deutlichem Bauchansatz und einem langen, dünnen Bart stellte sich Josie als Smithe vor.„… ich bin der Maat.Du bist Jo?“, hakte er nach.Josie nickte und versuchte, eine etwas gebeugte Haltung einzunehmen, um ihre Oberweite unter der Weste noch besser zu kaschieren.„Dann komm.Als Erstes muss das Oberdeck geschrubbt werden, und dann ist der Abtritt dran“, wies er sie an, drückte Josie einen Eimer mit Lappen und eine Bürste in die Hand, und führte sie an ihren Arbeitsplatz.„Und mach es ja ordentlich.“Josie nickte und war froh, hier oben allein zu sein.Sie kniete sich hin und fing an zu putzen.Die einfache Arbeit ließ ihren Gedanken genug Freiraum, erneut abzuschweifen und das Bild von Blacksoul heraufzubeschwören.Obwohl es noch früh am Morgen war, wurde die Hitze auf dem Oberdeck bereits drückend, und der Schweiß lief ihr ins Gesicht.Sie fuhr sich mit dem Ärmel über die Stirn und wünschte sich, zumindest die Weste ablegen zu können.Mit neidvollem Blick schaute sie auf die Männer hinunter, die bereits ihre Hemden ausgezogen hatte und mit nackten, schweißglänzenden Oberkörpern ihren Dienst taten.Nur der feiste Smithe hielt seinen Wanst ebenfalls unter Hemd und Weste verborgen.Schwitzend arbeitete sie weiter.Anscheinend stand sie unter Beobachtung, denn kaum war sie fertig und wrang den Lappen ein letztes Mal aus, als der Maat auch schon nach ihr rief.„Hast Glück“, rief er, als sie Eimer und Bürste abstellte.„Blacksoul braucht dich – der Abort muss also warten.Nimm dir in der Kombüse eine Scheibe Brot, und dann melde dich beim Captain.Und trödel nicht rum.“Damit überließ er sie ihrem Schicksal.Josie fragte sich, wie sie mit diesem dicken Knoten im Magen auch nur einen Bissen hinunterwürgen sollte.Während sie auf die Kombüse zusteuerte, suchte sie das Deck nach dem Mann mit der Narbe ab.Er war nirgends zu sehen, und Josie ahnte, dass er sie erwartete.Sie hoffte nur, der Aufgabe, die er ihr zuweisen würde, gewachsen zu sein.Denn solange sie alles erledigte, was ihr aufgetragen wurde, würde niemand Verdacht schöpfen.Josie kratzte sich am Kopf.Der Schweiß und das ekelhafte Tuch juckten fürchterlich.Die Tür der Kombüse stand offen.Der hagere Spanier Felipe war anscheinend der Koch.Zumindest hantierte er pfeifend mit etlichen Töpfen, und der scharfe Geruch von Zwiebeln hing in der Luft.„Ah, der Neue!“, rief er über den Tisch hinweg, als er Josie unsicher in der Tür stehen sah.„Komm herein und setz dich zu mir.“Der freundlichen Aufforderung folgend, nahm Josie Platz, und sofort schob ihr Felipe einen hölzernen Teller mit einer Scheibe Brot und einem Stückchen Dörrfleisch hin.„Hau rein!“Mit einem riesigen Messer bearbeitete er einen nicht gerade klein zu nennenden Fisch.Die Handgriffe schien er auswendig zu kennen, denn er ließ Josie keine Sekunde aus den Augen, als sie in das Brot biss.„Das war ein ordentlicher Kinnhaken, den du dem Kapitän gestern verpasst hast.Siehst so schmächtig aus, da hätte ich das nicht erwartet.“Josie kaute bedächtig weiter.Bisher war sie mit wenigen Worten ausgekommen, und sie hoffte, auch diesmal mit ihrer tiefsten Stimme überzeugen zu können.„War ganz passabel“, stimmte sie Felipe zu.„Si, er hat ganz verdutzt geschaut!“, lachte er und stopfte dabei Zwiebeln, gehackte Kräuter und etwas Speck in den Bauch des Fisches.Als Josie an Hendersons Gesichtsausdruck dachte, hätte sie beinahe mitgelacht, aber da sie fürchtete, dem netten Kapitän damit trotzdem nicht das Leben gerettet zu haben, verdüsterte sich augenblicklich ihre Stimmung.Warum hatten die Piraten denn ausgerechnet dieses Schiff entern müssen.Genau dann, als sie und Sabatier ohnehin in großen Schwierigkeiten gewesen waren und wahrlich schon genug hatten erleiden müssen.Der Kloß, der sich in ihrem Hals gebildet hatte, war so groß, dass sie nur mit Mühe das letzte Stück Brot hinunterwürgen konnte.„Ja, das hat er.“„Smithe hat gesagt, du gehst zum Captain, si? Dann nimm gleich das hier mit“, wies er sie an.Er drückte ihr eine Flasche Rum in die Hand und schickte sie dann mit einer fahrigen Handbewegung zurück an die Arbeit.Als sie beinahe schon zur Kombüse hinaus war, fiel ihm noch etwas ein:„Übrigens, noch ein kleiner Rat, du solltest den Captain nicht verärgern, sonst …“Josies Pupillen weiteten sich.„… also reiß dich zusammen! Und jetzt beeil dich.“Das wachsende Unbehagen ließ ihre Hand bleischwer erscheinen, als sie an die mit Schnitzereien reich verzierte Tür der Kapitänskabine klopfte.„Na endlich, das wird ja auch Zeit“, forderte Blacksouls raue Stimme sie auf einzutreten.Mit einem tiefen Atemzug machte sie sich Mut und öffnete die Tür.Erstaunt stellte sie fest, dass sich diese Kabine gänzlich von Hendersons unterschied [ Pobierz całość w formacie PDF ]