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.Die Konsequenzen dieses Klimawandels, von denen ich ausführlich berichten werde, hinterließen bei mir erste Spuren.Auf einmal wurde sehr konkret sichtbar, wofür ich mit meinem Einsatz für die konservative Theologie auf theoretischer Ebene gekämpft hatte.Ich erschrak darüber und konnte mich immer weniger mit meiner bisherigen Arbeit identifizieren, was ich gelegentlich auch nach außen hin deutlich machte.So war ich innerlich schon ein gutes Stück vom konservativ-katholischen Milieu abgerückt, als im Frühjahr 2010 mein für viele Freunde und Weggefährten schockierender Outing-Artikel in der Frankfurter Rundschau erschien.Mein öffentliches Outing markiert das Ende einer sich über zehn Jahre hinziehenden Entwicklung, einer Reise, die mir tiefe Einblicke in das konservativ-katholische Milieu gewährte - und das zu einer Zeit, als durch das Pontifikat Papst Benedikts XVI.der Einfluss dieser Kreise auf den Vatikan und die allgemeine Stimmung in der Kirche seit 2005 rapide zunahm.Die folgenden Kapitel stellen wichtige Stationen dieser mehr als ein Jahrzehnt währenden Exkursion dar.Meine Absicht ist es, dem Leser Einblicke in eine ihm sonst weitgehend verschlossene Welt zu ermöglichen, eine Welt, die sich nach außen um einen heiligen Schein bemüht, hinter den Kulissen jedoch ein gänzlich anderes Bild bietet.Dabei soll es nicht nur um meine persönlichen Erfahrungen gehen, sondern ich werde zeigen, inwiefern das von mir Erlebte - ganz unabhängig von sexuellen Orientierungen - exemplarisch ist für die gegenwärtige Situation der katholischen Kirche.Die alte Messe als LockmittelAngefangen hatte im Grunde genommen alles mit meiner Faszination für die lateinische, tridentinische Liturgie.Diese Form des Gottesdienstes, die das Konzil von Trient im 16.Jahrhundert verpflichtend für die ganze katholische Kirche eingeführt hatte, war bis in die 1950er Jahre weltweit vorgeschrieben und prägte so das geistliche Leben der Katholiken.Kennenlernen konnte ich die tridentinische Messe schon im Alter von siebzehn Jahren.Obgleich sie gesamtkirchlich inzwischen längst verboten war, feierte einer der Präfekten des kirchlichen Internats, das ich besuchte, mit zwei anderen Mitschülern und mir häufiger privat eine Form der Messe, die der tridentinischen sehr nahe kam.Der junge Benediktinerpater, der zugleich ein begnadeter Kirchenmusiker und einfühlsamer Erzieher war, wendete sich dazu mit dem Gesicht zum Kreuz des Altars und mit dem Rücken zu den Gläubigen.Er trug ein kostbares Messgewand aus Goldbrokat und benutzte einen wertvollen überdimensionierten Kelch im neugotischen Stil.Alle Gebete waren in lateinischer Sprache und wurden in einer Art gregorianischem Sprechgesang teils laut vorgetragen, teils leise geflüstert.Das Wissen darum, dass hier etwas kirchenrechtlich nicht ganz Legitimes geschah, faszinierte mich als Jugendlichen ebenso wie das Gefühl, Teil einer esoterisch-exklusiven Veranstaltung zu sein.Die heimlichen tridentinischen Zusammenkünfte flogen schnell auf und mussten aufgrund der Beschwerde eines anderen Präfekten beim Abt eingestellt werden.Da wir mit unserem Präfekten auch öfters die Oper und danach noch Restaurants besucht hatten, unterstellte der beim Abt vorstellige Mitbruder, bei den heimlichen Zusammenkünften sei auch ein homosexueller Hintergrund vorhanden.Trotz des Verbots und der damit verbundenen haltlosen Unterstellungen war mein Interesse an der alten Liturgie geweckt.Das führte dazu, dass ich mich einige Monate später in einem echten tridentinischen Hochamt der damals der deutschen Öffentlichkeit noch kaum bekannten Piusbruderschaft in deren Zentrum in dem kleinen niederbayerischen Dorf Zaitzkofen wiederfand.Ich war durch ein Werbeblättchen, das vermutlich ein überzeugter Anhänger der Bruderschaft in einer der Bänke der Abteikirche von Münsterschwarzach ausgelegt hatte, auf den Ort aufmerksam geworden.Was ich dort erlebte, stellte alles bereits Gesehene in den Schatten [ Pobierz całość w formacie PDF ]