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.Einmal hatte sie ihn zu einem Kaffee eingeladen und ihm Verworrenes aus ihrem Leben erzählt.Als er verständnisvoll nickte und etwas Mitfühlendes murmelte, saß sie schon auf seinem Schoß und umarmte ihn tränenreich.Danach war er ihr, so gut es ging, aus dem Weg gegangen.Gelegentlich hatten Frauen seine Wohnung geteilt.Doch das waren immer nur zeitweilige Übergangslösungen gewesen.Er hatte sich daran gewöhnt, alleine zu leben.Seine Freundin sah er zweimal, dreimal die Woche.Wenn sie zu ihm kam, kochte er für sie, wenn er zu ihr kam, kochte sie für ihn.Oder sie gingen eben irgendwohin essen.Der Hausverwalter, seit einiger Zeit auch Besitzer des Hauses, kam selber vorbei, um mit ihm zu sprechen.Es war der Sohn des alten Hausverwalters, mit dem er damals den Mietvertrag geschlossen hatte.Der hatte ihm für die zweite Wohnung noch eine illegale Ablöse abgenommen, offiziell für ein paar Möbel, die da noch herumstanden.Eigentlich hatte er vorgehabt, das Geld einzuklagen, bevor die Verjährungsfrist ablief, aber dann hatte er den Zeitpunkt verpasst.Die Fotos der wertlosen Möbel lagen noch immer in einer Mappe auf dem selbstgetischlerten Schreibtisch, so wie vieles, was er demnächst einmal zu erledigen sich vorgenommen hatte.Der junge Immobilienmakler, elegant im kurzen Mäntelchen, die Haare gegelt, erklärte ihm sein Vorhaben: statt des Schuppens würde eine Garage in den Hof kommen, das jetzige Haustor würde zur Garageneinfahrt, eine neue Haustür würde daneben durchgebrochen werden, Wohnungen würden zusammengelegt, das Dach abgetragen, ein Stockwerk aufgesetzt werden, ein Lift würde eingebaut und Balkone vor die Fenster gesetzt werden.Der Umbau würde schon so eineinhalb bis zwei Jahre dauern, und deshalb mache er ihm das Angebot, ihm bei der Suche nach einer neuen Wohnung behilflich zu sein und auch einen Zuschuss zu den Kosten des Umzugs zu geben.„Was meinen Sie, Herr Mautner?“Er meinte, dass er sich alles gerade so eingerichtet hatte, wie wie er es mochte, und dass er die Zeit des Umbaus schon irgendwie überstehen würde.Einen Lift würde er sich schon lange wünschen und er würde sich gern schon einmal einen Platz in der Garage reservieren, denn mit den Parkplätzen würde es in der Gegend immer schlimmer.Die übrigen noch verbliebenen Mieter nahmen das Angebot der Hausverwaltung an.Als letzte zog die Hausbesorgerfamilie aus.Der Umbau begann etwas zaghaft.In einzelnen Wohnungen wurden Zwischenwände herausgerissen oder Türen durchgebrochen.Dann kamen die Arbeiten wieder zum Erliegen.Er schenkte dem keine große Beachtung.Seine Freundin bestand darauf, dass sie sich bei ihr treffen sollten.Sie wollte nicht in einem Geisterhaus übernachten.Ob er das nicht unheimlich finde, die offen stehenden Wohnungstüren, die den Blick auf herausgerissene Böden und herumliegenden Bauschutt freigaben? Ach was, meinte er, über kurz oder lang würde der Baulärm beginnen, jetzt sei er froh dass er noch seine Ruhe habe.Er schrieb der Hausverwaltung, dass bei den Bauarbeiten das Türschloss am Haustor beschädigt worden sei und sich nicht mehr versperren lasse.Ein Brief informierte ihn, dass das Haus den Besitzer gewechselt habe und die Sanierungsarbeiten demnächst fortgesetzt würden.Dann geschah wieder nichts.Vor den Türen, die noch verschlossen waren, stapelten sich die Werbeprospekte.Gelegentlich wechselte er selber im Stiegenhaus eine ausgebrannte Glühbirne aus.Es schien ihm weniger aufwendig, die Leiter zwei Stockwerke hinunter und wieder hinauf zu tragen, als die Telefonnummer der neuen Hausverwaltung herauszusuchen und sich zu beschweren.Seine Freundin äußerte den Verdacht, die neuen Besitzer könnten das Haus absichtlich verfallen lassen, um die Genehmigung zum Abriss zu bekommen.Er nahm sich vor, Erkundigungen einzuziehen.Seine Gedanken streiften dieses Vorhaben immer nur dann, wenn er die Treppe hochstieg.Sobald er in seinem Bibliothekszimmer vor dem PC saß, beschäftigten ihn andere Dinge.Doch an einem schwülen Spätsommertag, als er von der Arbeit nach Hause kam, ergriff ihn eine müßige Neugier und anstatt an der klaffenden Türöffnung im Hochparterre vorbeizugehen, ging er über die Schwelle.Mit nostalgischer Rührung sah er an der Wand einer ehemaligen Küche die blauweißen Kacheln, die durchaus aus der Zeit vor dem letzten Weltkrieg, stammen konnten, allerhöchstens aus den Jahren kurz danach.Eine bräunliche Fettschicht auf den Kacheln verriet die Stelle, vor der der Herd gestanden war.Eine gusseiserne Badewanne mit Löwenfüßen stand noch da.In der Küche also hatte der blinde Herr Schuberth gebadet.Sonst war nicht viel zu entdecken.Auch in den anderen Wohnungen nicht, in die er, da er nun einmal dabei war, hineinschaute.Da und dort abenteuerliche Installationen, uralte Boiler, an der Wand verlegte Elektrokabel.Farbige Markierungen auf einem Holzboden, deren Bedeutung er sich nicht erklären konnte Hoch über einer Tür ein kitschiger Poster von zwei Frauen, die einander küssten.Ein Geruch nach Essen in einer der Wohnungen im zweiten Stock irritierte ihn.Er zögerte, doch dann ging er dem Geruch nach.Im letzten Zimmer saß ein junger Mann auf ein paar Decken, eine Mahlzeit aus Hühnerflügeln und Pommes Frites vor sich auf einem aufgerissenen Papiersackerl.In der linken Hand hielt er eine Zeitung.Neben den Pommes Frites lag ein kleines gelbes Buch, unschwer als Langenscheidt-Wörterbuch zu erkennen.Trotz der Hitze trug der junge Mann eine Wollmütze und einen Pullover.Seine Beine waren in eine Decke gehüllt.Seine Hautfarbe war schwarz.„Guten Tag?“Der letzte Mieter sagte es zweifelnd, fragend.„Guten Tag“, antwortete der Eindringling.„Bitte Entschuldigung, bitte!“„Sprechen Sie Deutsch?“„Wenig Deutsch, bitte.Ich lerne.“Der letzte Mieter trat ein wenig auf den Eindringling zu und schaute mit gerunzelter Stirn auf das Wörterbuch.„Alors vous parlez Francais?“„Oui.“„Mais qu’est que vous faites ici?“ Was machen Sie hier?„Ich bin Flüchtling“, sagte der junge Mann auf Französisch.„Ich habe kein Geld.Ich will hier nur ausruhen, weil ich ein bisschen krank bin.Ich habe Fieber.Bitte, ich will nichts Böses tun.Das Tor war offen, darum bin ich hereingekommen.“„Ja, aber.Warum sind Sie nicht in – im Flüchtlingslager? Oder in einem Heim? Es gibt doch Heime für Asylwerber, nicht? Haben Sie um Asyl angesucht? Haben Sie Papiere?“Der junge Mann kramte eine weiße Karte aus seinem Rucksack und hielt sie ihm hin.„Ich habe Asyl beantragt.Ich war im Flüchtlingslager.Dann bin ich in eine Pension geschickt worden in einem Dorf.Aber ich konnte dort nicht bleiben.Ich konnte dort nichts machen.Ich wollte Deutsch lernen, mich weiterbilden in meinem Beruf, eine Arbeit finden.Aber dort war nichts, es gab keine Möglichkeit etwas zu lernen.Darum bin ich nach Wien gegangen.Dort unten habe ich ein bisschen Geld bekommen, aber hier nicht.Um Geld zu bekommen, hätte ich dort bleiben müssen, das sind die Vorschriften, aber ich habe es nicht ertragen.Mein Kopf ist ganz leer geworden ohne Beschäftigung, ohne etwas zu tun.“„Aber wie kommen sie gerade hierher, in dieses Haus?“„Ich habe einen Freund, der Werbung austrägt [ Pobierz całość w formacie PDF ]