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.»Deine Glücksträhne ist vorbei.Was soll denn Joia denken, wenn du das auch noch verlierst?«Er fuhr so heftig herum, daß das Getränk aus seinem Humpen über seine Freunde spritzte.»Seid still! Laßt ihren Namen aus dem Spiel!« Er wandte sich wieder Ottar zu, der ihn nachdenklich musterte.»Bist zu feige, es noch mal zu wagen? Hast du Angst, daß sich das Glück wendet?« Ottar zuckte fatalistisch mit den Schultern.Ricio lachte, schüttelte die Würfel und warf.»Fünf und fünf!« stieß er hervor und klatschte seinem Gegner den Becher auf die Hand.»He!« rief einer der anderen aus und leckte sich seine nasse Hand.»Er hat Branntwein da drin!«Als Wedemir aufstand, hörte er das Klicken der Würfel über den Boden.»Sechs und sechs«, sagte Ottar und griff nach der Silberkugel.»Nein!« kreischte Ricio.»Du Barbarenschwein!« Wedemir ging noch einen Schritt auf ihn zu, dann veränderte sich alles.Überall im Raum waren Nordmänner mit hellem Haar, die mit blutgetränkten Messern herumfuchtelten.Wedemir roch Rauch.Er wollte sich umdrehen, da sah er Ricios Messer aufblitzen.Instinktiv sauste seine Faust vor und traf den Jungen am Kinn.Plötzlich war alles still.Wedemir blinzelte und rieb sich die Faust, er starrte auf die Männer, die ihn ebenso erstaunt ansahen.Wohin waren die Barbaren verschwunden? Keiner machte ein Geräusch außer Ricio, der stöhnte, als ihm die Silberkugel aus der Hand rollte und Ottar sie vom Boden aufhob.Einer der anderen roch an Ricios Humpen.»Nun«, meinte er bedauernd, »jetzt ist jedenfalls nur Bier drin.«»Lalo, mein Lieber, du verstehst doch gewiß auch, daß all dem ein Ende gemacht werden muß!« Myrtis goß aromatischen Gewürztee in eine Tasse und reichte sie ihm.»Die schlimmsten Alpträume scheinen vorüber zu sein, aber die Mädchen werden von Erinnerungen geplagt.Das ist schlecht fürs Geschäft.«Lalo verlagerte unbehaglich sein Gewicht auf dem prallen Kissen, weil er fürchtete, abzurutschen und den Tee über den elfenbeinfarbenen Seidenbrokat zu schütten.Er wand sich ein wenig unter Myrtis' selbstverständlichem Vertrauen in seine Fähigkeiten.Und auch Darios saß mit aufreizend erwartungsvollem Ausdruck hinter ihm.»Meine Bilder werden anders sein, als die Mädchen erwarten, weißt du.«»Ich habe ihnen gesagt, es sei als Werbung gedacht«, warf Myrtis ein.»Sie werden nacheinander einzeln hierherkommen, und du wirst sie malen.Wenn mir die Ergebnisse nicht gefallen, muß ich sie ja nicht verwenden, verstehst du?«Lalo stellte die Teetasse ab und nahm sein Zeichenpapier zur Hand.Myrtis läutete ihre kleine Glocke.Im Aphrodisiahaus wurden nur die allerschönsten Mädchen aufgenommen.Ein Blick auf Darios' gerötetes Gesicht verriet Lalo, wie es war, sie einfach mit den Augen eines Mannes zu betrachten.Es war nicht weiter verwunderlich, daß sich Darios mit seinem Exorzismus hartgetan hatte.Der Maler jedoch sah sie mit anderen Augen.Als er mit der Arbeit begann, fiel die äußere Wahrnehmung ab.Nicht viele besaßen eine so wundervolle Seele wie Valira, aber in einigen fand er tiefen Glauben und Stärke, die so manchen Kunden erstaunt hätten.Er sah auf ihren Seelen die Narben von Grausamkeit und Enttäuschung und Verzweiflung.In vielen fand er Eifersucht und Gier.Fast überall stieß er auf Angst.»Angst?« Myrtis lachte bitter, als das letzte Mädchen gegangen war.»Natürlich haben sie Ängste - alles was sie haben, ist ihre Schönheit.Jede fürchtet sich vor dem, was kommt, wenn diese Schönheit verblaßt ist.Die Aufmerksamkeit, die ihnen ihre Liebhaber entgegenbringen, gibt ihnen Sicherheit.Aber du solltest noch einmal hinsehen, Lalo - das ist nicht alles, was deine Bilder zeigen.«Blinzelnd betrachtete er die schattierten Hintergründe, mit denen er seine Skizzen versehen hatte, und erkannte, daß diese mehr waren als zufällig aufgetragene Striche.Nicht nur die Porträts stellten Angst dar, die Ängste selbst erschienen auf den Blättern.Er schüttelte mitleidig den Kopf, als er verstand, was für den Ausdruck der Gesichter verantwortlich war.»Dies sind Eure Geister, Madam Myrtis«, sagte Darios.»Zerstöre sie!« rief sie aus.»Das kann ich nicht.«, erwiderte Lalo.»Es sind nicht meine Ängste.Aber vielleicht kann ich sie verändern.« Ein paarStriche fielen dem Radiergummi zum Opfer, und einige geschickte Linien verwandelten einen Dämon in einen Gott, ein vom Alter ausgezehrtes Gesicht in eines von heiterer Gelassenheit, Unzufriedenheit verschwand von einem hübschen Mund, und in traurige Augen zog wieder Hoffnung ein.Die Skizzen waren einfach.Nach kurzer Zeit hatte er sie so verändert, daß die Mädchen sie entzückt in ihren Schlafgemächern aufhängen würden.»Warten wir einmal ab, ob das die Atmosphäre verbessert.« Er gab Myrtis die Bilder.»Aber das ist nicht mehr das, was Ihr gesehen habt!« warf Darios ein.»Nein, aber wenn Madam Myrtis diese Skizzen den Mädchen gibt, werden sie sie vielleicht so sehen und glauben, und indem sie es glauben, auch wahr werden lassen«, antwortete Lalo, und er erinnerte sich daran, was Molin Fackelhalter von ihm verlangt hatte.»Ich würde nur zu gerne wissen, was diesen Ängsten plötzlich so große Macht verliehen hat!«»Meine Herrin Kurrekai ist eine der Mächtigen, die der Beysa selbst dienen«, sagte das Mädchen lachend zu ihrem Soldaten, »mit einer Schlange als Halsschmuck und allem.Sie hat für jeden Tag in der Woche einen anderen Kopfschmuck, und sie ist großzügig.Warum sollte ich Geschenke von dir brauchen?«»Auch das hier nicht?« brummte Ottar.Er holte etwas aus seiner Tasche hervor und hielt es ihr scheu hin.Das Mädchen stieß einen überraschten Ruf aus, als die Silberkugel ausgewickelt vor ihr in der Sonne glitzerte.»Hübsch, nicht wahr? Hat deine Herrin auch so etwas? Wenn du mit mir ausgehst, werde ich auch großzügig sein.«Das Mädchen musterte ihn abwägend.Ottar sah eigentlich gar nicht so schlecht aus.Er drückte ihr einen nassen Kuß auf die Handfläche, und sie fühlte ein warmes Glühen.»Also heute nacht?«Sie nickte, ließ lachend die Silberkugel in ihre Schürzentasche fallen und sprang davon.Sie war kaum um die erste Ecke gelaufen, als der Bursche schon vergessen war.Die Silberkugel glitzerte so zauberhaft.Es fiel ihr schwer, sie nicht immerzu in die Hand zu nehmen, selbst bei der Arbeit.In dieser Nacht träumte sie davon, in einer vergoldeten Sänfte getragen zu werden von Sklaven, die im Aussehen zueinander paßten, während ein ganzer Trupp barbarischer Krieger ihr folgte, von denen jeder Ottar wie aus dem Gesicht geschnitten war.Aber die Sänfte bog in eine düstere Gasse ein.Sie schrie und wurde unsanft abgesetzt.Dann zogen grobe Hände sie auf die Straße und zerrten an ihren Kleidern [ Pobierz całość w formacie PDF ]