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.Eingerahmt von zwei Zinnen konnte er ihn weit in der Ferne sehen: die purpurschwarze Form des Julavainberges.Wieder lächelte er mit zusammengekniffenen Lippen.Eine Zinne wurde zur Winde mit Hilfe der zwei Holzzylinder, die er zu diesem Zweck mitgebracht hatte.Sie würden die Seidenschnur abrollen und verhindern, daß der Stein sie zerfaserte.Ein Ende band er sich um die Fußgelenke.Er erstarrte, als der Wächter wieder vorbeikam; noch müder zog er den Lanzenschaft hinter sich her, offenbar gab er sich gar keine Mühe mehr, sich wach zu halten.Und dann war die Stille so dicht, daß man sie mit einem Messer, an denen der Dieb keinen Mangel hatte, hätte durchschneiden können.Er wartete.Und wartete.Endlich stieg er, immer noch geduckt, in die Zinnenlücke.Rückwärts wand er sich hindurch und ließ sich an der Wand hinunter, tiefer und tiefer, bis er zu einem bestimmten Fenster in Rautenform gelangte.Es sah nicht nur schön aus, es machte auch einen Einstieg schwieriger.Mit größter Vorsicht drehte er sich um, ließ sich noch ein Stück tiefer herab, bis er verkehrt herum vor dem Fenster hing.Das Blut stieg ihm in den Kopf, während er Muskeln und Blick anstrengte, bis er sicher war, daß niemand sich in dem Gemach befand, in das er spähte.Grinsend rollte Hanse, der Dieb, sich herum und stieg lautlos ins Schlafgemach Kadakithis’, Seiner Rankanischen Hoheit, Prinz-Statthalter von Freistatt, ein.Er hatte es wieder einmal geschafft! Und diesmal allein, ohne Hilfe.Er hatte die Mauer bezwungen, war den Wächtern entgangen, in den Palast eingedrungen und befand sich im Schlafgemach des Prinz-Statthalters höchstpersönlich.Nun, Lord Prinz, Ihr wolltet Nachtschatten sehen - hier ist er.Er wartet auf Euch! Das waren seine Gedanken, wärend er seine Fußgelenke von der teuren Seidenschnur befreite und seine Handschuhe auszog.Wenigstens wartet diesmal keine Bettgespielin auf ihren jugendlichen Herrn.In seinem freudigen Stolz hätte Hanse am liebsten laut gelacht.»Ein hübsches Mädchen hat dies für dich abgegeben, Hanse«, hatte Mondblume, die Seherin, zu ihm gesagt.»Sie hat es von einer andereren zusammen mit einer Münze als Botenlohn bekommen, und diese hat es wieder von einer anderen.«Hanse hob die dunklen Brauen, hakte einen Daumen in den Pferdeledergürtel, den er über eine knallrote Schärpe geschnallt trug.Von dem Gürtel hing an einer Seite ein Krummdolch und an der anderen ein Ilbarsi-Messer, so lang wie sein ganzer Arm.»Das hast du gesehen, Mondblume?«Sie lächelte, eine unendlich fette Frau, deren Name so gar nicht zu ihrem Aussehen paßte, und deren Gesäß über die beiden Kissen auf dem niedrigen Hocker quoll.Für sie war er ein jungenhafter Bursche, und schon immer hatte er es fertiggebracht, sich mit seinem Charme, den sie nahezu als einzige erkannte, bei ihr einzuschmeicheln.»O nein«, antwortete sie fast schelmisch.»Soviel Mühe brauchte ich mir gar nicht zu machen.Ich erfahre auch so allerhand, weißt du?«»Oh, ich weiß, daß du viel weißt, mein schlauer Liebling«, versicherte er der unförmigen Gestalt in ihren vielen Lagen von Röcken, jeder von mehr als einer anderen Farbe.»Und diesmal wirst du mir verraten, woher du weißt, was du weißt, das weiß ich.«Sie warf ihm eine wachsversiegelte Walnußhülle zu.»Du kennst mich zu gut, nicht wahr, du schlauer Fuchs.Riech mal!«Wieder hob er die fast zusammengewachsenen Brauen und hielt die Nuß an die Nase.Er rollte die Augen.»Aha! Parfüm! Ein sehr teures.Die Zeiten sind also gut für die einzige wahre Magierin von Freistatt.«»Du weißt genau, daß das nicht mein Parfüm ist!« rügte sie ihn, nicht ohne den Kopf mit den blauschwarzen Zöpfen zu einem, schelmischen Blick schief zu legen.»Jetzt weiß ich es«, sagte Nachtschatten verschmitzt und sah sehr nett aus im hellen Sonnenschein.»Weil du es mir gesagt hast.Du hast die Wal nuß also von einem reichen Mädchen, das teures Parfüm benutzt.Ich nehme an, sie trug dieses hübsche Stück zwischen den Brüsten.«Mondblume hob einen ihrer fleischigen Finger.»Ah, so ganz hast du es noch nicht.Das Parfüm an der Walnuß ist nicht meines, aber das Mädchen, das sie mir gab, benutzte keines.«»O Mondblume, Stolz der S’danzo und ganz Freistatts! Bei Ils, wenn der Prinz-Statthalter von deinem Genie wüßte, hielte er sich ganz gewiß nicht diesen häßlichen alten Scharlatan am Hof, sondern dich, nur dich! Also, aus dem Parfüm schließt du, daß da eine dritte Frau ist, die diese Nuß und eine Münze einer anderen gab, um sich an dich und durch dich an mich zu wenden.« Er schüttelte den Kopf.»Wie umständlich.Aber wieso glaubst du, daß dieses Ding wiederum von einer anderen ist?«»Ich habe die Münze gesehen«, erklärte Mondblume, ganz mädchenhaft in einem Körper, der eine Tür verbarrikadieren könnte.»Es haftete ihm noch ein anderer Duft an?«Mondblume lachte.»O, Hanse, Hanse.Ich weiß es, und bald wirst auch du es wissen, sobald du die Nuß geknackt hast.Bestimmt enthält sie eine Botschaft von jemandem, der nicht wollte, daß irgend jemand weiß, daß er sie dir schickt.«»Er?«»Möchtest du wetten?«Er, der Nachtschatten genannt wurde, drückte die Walnuß in gespieltem Schrecken an sich, mit der anderen Hand umklammerte er theatralisch seinen Beutel.»Mit dir, bei deiner Weisheit, wetten? Nie! Noch niemand hat mich dumm genannt.« Nun, fast niemand, fügte er in Gedanken hinzu und dachte an den stämmigen Fremden, den Höllenhund Tempus - Tempus, der - was?»Na, verschwinde schon und öffne sie ungestört.Du raubst mir die Zeit, für die Kunden mich bezahlen.«Es waren gegenwärtig keine zu sehen, wie Hanse sich vergewisserte, ehe er sagte: »Einen Moment.« Mit dem Daumennagel zerteilte er das bräunliche Wachs entlang der Verbindung der zwei Walnußhälften.Er wußte, daß Mondblume die Stirn runzelte, weil sie meinte, er solle das unbeobachtet tun, aber er wußte auch, was er tun wollte.Eine Geste, lediglich eine Geste! Er holte das Stückchen extra feinen Papiers heraus und steckte es, zusammengefaltet wie es war, in seine Schärpe.Die Nußhälften drückte er wieder zusammen, preßte das Wachs mit dem Daumen zurück in die Verbindungsstelle und reichte die Nuß der S’danzo, die immer wieder bewies, daß sie eine echte Seherin war.»Für Mignureal«, sagte er und täuschte Verlegenheit vor.»Damit ihr Mieder duftet oder sonst was.«Einen flüchtigen Moment bewölkte sich Mondblumes teigiges Gesicht, denn ihre großäugige Tochter war verliebt in diesen gefährlichen Jungen von Abwind, von dem jeder wußte, wie er sich seinen Unterhalt verdiente.Doch dann lächelte sie und nahm die duftende Nußschale entgegen.Schnell verschwand sie unter dem Schultertuch in dem Spalt zwischen den üppigen Brüsten, den sie ihre Schatztruhe nannte.»Du bist so ein lieber Junge, Hanse.Ich werde es ihr geben.Und jetzt sieh zu, daß du weiterkommst und die Botschaft liest.Wer weiß, vielleicht möchte sich eine hochgeborene Dame mit einem so hübschen Jungen vergnügen.«Der drahtige junge Mann, genannt Nachtschatten, hatte sie daraufhin verlassen.Sein Lächeln, ja selbst die freundliche Miene schwand, und er stolzierte dahin wie ein Mrsevadanischer Kampfhahn.Seine jetzt grimmige Miene und sein Gang gehörten zu seiner Schau, von der niemand gewagt hätte zu behaupten, sie rühre von einem Minderwertigkeitsgefühl her.Er wußte, daß er, trotz Mondblumes gegenteiliger Meinung, nicht hübsch war.Er war auch nur durchschnittlich groß, und das größte an ihm war seine Ich-Bezogenheit [ Pobierz całość w formacie PDF ]