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.Und doch bitte ich Sie in Hermes' Namen, weiterzulesen.Vergeben Sie mir die Leichtfertigkeit dieser Worte, denn ich muss sie in Eile niederschreiben.Es ist eine Ironie, dass ich als Wesen, das unsterblich ist, nur so wenig Zeit habe, um diese Seiten zu füllen, aber sie werden bald in meine Richtung blicken.Sie schlafen nicht, im Gegensatz zu jenen, die sie verstehen wollen, und sie haben mich immer unter Beobachtung gehalten.Von Anfang an haben sie meine Absichten infrage gestellt, selbst als sie mich in einen der ihren verwandelt und mich in ihren Orden aufgenommen haben.Und dennoch, ist es nicht sicherer, den Wolf dort zu halten, wo man ihn sehen kann? Aber ich weiß jetzt, dass ich in diesem Possenspiel das Lamm spielen muss, und es ist fast vorbei, ob nun im Guten oder Schlechten.Könnte ich doch bloß einen Computer benutzen, um diese Worte schneller niederzuschreiben, aber sie überwachen sämtliche dieser Geräte, und vielleicht ist es ja auch richtig so, dass ich das mit einem altmodischen Federkiel zu Papier bringe.Es erinnert an eine Zeit, die lange vergangen ist.An meine Zeit.Es ist nie meine Absicht gewesen, zum Unsterblichen zu werden – das ist das Erste, das Sie wissen sollten.Ganz im Gegenteil, als er mir das erste Mal begegnete, hatte das Leben für mich nicht den geringsten Wert, und im reifen Alter von vierzehn tat ich alles, was in meiner Macht stand, um es wegzuwerfen.Es war der Frühling des Jahres 1668, und Edinburgh fing gerade an zu stinken.In dieser Ära war Edinburgh eine der am dichtesten besiedelten Städte von ganz Europa, denn sämtliche Bürger hatten sich aus Angst vor den Engländern hinter die Stadtmauern zurückgezogen.Sie hatten hier Schutz gesucht.Gefunden hatten sie Dreck und Armut, Krankheit und Tod.Auf dem Friedhof Greyfriars unterhalb von St.Giles, der sich an der Cowgate entlangzog, stapelten sich die Leichen mit kaum einer Schicht Erde dazwischen, so dass nach den schweren schottischen Regenfällen Gliedmaßen Baumwurzeln gleich aus dem Boden ragten.Den Lebenden ging es nicht viel besser.Da sie sich wegen der einengenden Beschränkung der Stadtmauern nicht ausbreiten konnten, bauten die Einwohner von Edinburgh stattdessen in die Höhe.Holzverschläge sprossen auf den Oberseiten der Steingebäude wie von der feuchten Luft genährte Pilze.Es waren elende Behausungen, im Winter zugig, im Sommer unerträglich heiß, und das ganze Jahr über rattenverseucht, mit winzigen Fenstern, die nur weit genug geöffnet werden konnten, um den stinkenden Inhalt der Nachttöpfe auf die Straße – und jeden unachtsamen Passanten – kippen zu können.Diese Mietbaracken fingen ständig Feuer oder stürzten gleich ein und rissen ihre unglückseligen Bewohner mit sich.Dennoch sorgten sie dafür, dass die Einwohnerschaft von Greyfriars beständig wuchs.Aber so ungesund und unsicher sie auch waren, die Leute, die in ihnen wohnten, waren nicht mal annähernd die Ärmsten der Stadt.Denn in dieser überfüllten Stadt gab es noch eine andere Richtung, in die man bauen konnte – und das war in die Tiefe.Es ist unmöglich zu sagen, wann die Ausschachtungen in Edinburgh ihren Anfang nahmen.Vielleicht griffen in der grauen Zeit vor der Morgendämmerung der Geschichte primitive Menschen nach ihren primitiven Werkzeugen, um an der vulkanischen Klippe zu graben, an der man in einem späteren Zeitalter die Stadt erbauen sollte, um Kammern auszuhöhlen, in denen man geheime, blutige Riten abhalten konnte.Als ich sie kennen lernte, waren diese Höhlen uralt und riesig, und sie waren mit einer Dunkelheit gefüllt, die weit mehr als die Abwesenheit von Licht darstellte.Hatten sich die schönen Jungfern Hoffnung und Freude je an diesen Ort verirrt, so hatte man sie vergewaltigt und für tot liegen gelassen.Zwar stellten die Kammern unter Edinburgh das einzige Zuhause dar, das ich als Kind kannte, aber ich wurde dort nicht geboren.Genauso wenig wie mir meine Mutter je erzählte, was sie an diesen Ort verschlagen hatte.»Das ist eine finstere Geschichte, James, und hier unten ist es schon so finster wie in der Hölle«, pflegte sie zu murmeln.»Frag mich das nie wieder.«Aber schon als kleiner Junge hatte ich das Geschick, andere dazu zu bringen, mir ihre Geheimnisse zu verraten.Im Laufe der Jahre stocherte ich und drängelte, und wenn sie müde oder krank oder betrunken war – was häufig genug geschah –, ließ meine Mutter Dinge durchblicken, so dass ich mir die Geschichte irgendwann selbst zusammenreimen konnte.Es war keine komplizierte Geschichte.Ihre Jugend hatte sie bei ihrem Vater verbracht, einem ehemaligen Seemann, der einen Laden an der Candlemaker Row hatte.Ihre Mutter kannte sie nicht.Die Bewohner des Viertels behaupteten, dass ihr Vater bei der Rückkehr von seiner letzten Seereise ein Baby mitgebracht hatte, das in feinstes Silbertuch gehüllt gewesen war.Er behauptete, das Mädchen hieße Rose, und das war alles, was er sagte, wenn jemand nach der Herkunft des Kindes fragte.Als Rose siebzehn war, starb ihr Vater an der Fieberepidemie, die in diesem Winter Edinburgh heimsuchte.Einer seiner Cousins erbte den Laden, und da der Mann nichts für Mildtätigkeiten übrig hatte, musste Rose für sich selbst sorgen.Sie hielt es für einen Glücksfall, in dem Haus eines ehrbaren Richters eine Anstellung als Dienstmagd zu bekommen.Aber weder ihr Status als Magd noch die Ehrbarkeit des Richters währten lange.Auch wenn sie in meiner Erinnerung nur ein vorzeitig gealtertes, gekrümmtes Etwas ist, haben mir andere erzählt, dass meine Mutter in ihrer Jugend eine Schönheit war, mit rabenschwarzem Haar und meergrünen Augen.Kaum ein Jahr nach ihrer Ankunft im Haushalt des Richters gebar sie einen Sohn mit hellem blondem Haar – das den goldenen Locken ihres Herrn entsprach.Da sein Ehebruch ans Licht des Tages gebracht worden war, bereute der Richter prompt seine Sünden und verkündete, von der lieblichen jungen Dienstmagd verhext worden zu sein.Niemand bezweifelte das.Statt sich auf der Grassmarket Street wegen Hexerei am Galgen wiederzufinden, floh Rose mit ihrem Säugling in die Abwasserkanäle und fand ihren Weg in das Labyrinth unter der Stadt.Die Kammern wurden von Bettlern, Huren, Dieben und Mördern bevölkert, die genauso oft über jene herfielen, die dort unten hausten, wie über jene an der Oberfläche.Ich werde nie wissen, was Rose tat, um mit ihrem Kind zu überleben.Dieses Wissen konnte nicht einmal ich meiner Mutter entlocken.Sie lachte gackernd, wenn ich sie nach den ersten Tagen in der Dunkelheit befragte, dann weinte sie und zerrte an ihrem verfilzten Haar, und ihr Stöhnen und Murmeln ließ mich verstummen [ Pobierz całość w formacie PDF ]